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Corona und Klima

Krisen entscheiden, wer wir sind

In der Coronakrise geht es nicht nur darum, vorübergehend Nein zu einem unserer Grundrechte zu sagen, dem Recht, uns frei im öffentlichen Raum zu bewegen. Gerade jetzt können wir uns entscheiden Ja zu sagen: Ja zu Solidarität, zu Kreativität, zu mehr Wir und weniger Ich.

6. Mai 2020

Am Donnerstag 26. März ging im brandenburgischen Lübben im Spreewald die digitale Nachbarschaftshilfe „Lübben hat Herz“ an den Start. Die Website ist eine Initiative der Stadt- und Überlandwerke Lübben um BürgerInnen, lokalen Betrieben sowie karitativen Organisationen zu helfen, sich auf einfache Weise zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen. Jeder kann dort selbst ein Hilfegesuch oder ein Hilfsangebot einstellen.

„Viele unserer Mitbürger waren mit Beginn der Kontaktbeschränkungen plötzlich auf sich allein gestellt. Insbesondere für ältere Menschen ist jeder Weg, jeder Kontakt, der vermieden werden kann, eine Sorge weniger. Deswegen wollten wir schnell etwas für die den Zusammenhalt der Stadtgemeinschaft tun,“ erklärt Stadtwerkechef Maik Mattheis.

 

Ein unglaublich positives Echo

 

Schnell zeigte sich: Die Hilfsbereitschaft der Lübbener ist groß. Wer noch einen Mund-Nasen-Schutz benötigt, eine Einkaufshilfe, einen Transport oder eine Betreuung für das Haustier braucht, findet bei „Lübben hat Herz“ Menschen, die gerne unterstützen.

Lübben hat 14.000 Einwohner. Bereits in den ersten drei Tagen kamen rund 5000 Besucher auf die Seite, jetzt sind es wöchentlich mehrere Hundert. Wer noch unsicher mit dem Umgang digitaler Medien ist, kann sich über eine Hotline telefonisch melden.

Gewerbetreibende und karitative Einrichtungen, die in der Rubrik Stadtgespräch über ein besonderes Angebot oder Erreichbarkeit informieren möchten, können ebenfalls telefonisch oder per Email Kontakt aufnehmen.

„Besonders gefreut haben wir uns über die zahlreichen Ideen für Aktionen, die bei uns eingegangen sind“, so Mattheis. So fanden beispielsweise kreative Beschäftigungsideen für Kinder, Informationen über den City-Gutschein und der Ostermalwettbewerb Platz in der Rubrik Aktuelles.

 

In der Krise entscheiden wir, wer wir sind

 

Das Wort “Krise” stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Entscheidung“. Krisen sind Zeiten, in denen wir entscheiden und offenbaren, wer wir sind.

Die letzten Wochen waren für viele schwer. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, wann diese Krise vorbei sein wird und wie unsere Gesellschaft danach aussehen wird. In der Coronakrise geht es nicht nur darum, Nein zu einem unserer Grundrechte zu sagen, dem Recht, uns frei im öffentlichen Raum zu bewegen. Gerade jetzt können wir uns entscheiden Ja zu sagen: Ja zu Solidarität, zu Kreativität, zu mehr Wir und weniger Ich.

Die Stadt- und Überlandwerke haben sich entschieden, deutlich zu machen, was kommunale Daseinsvorsorge bedeutet: als solidarischer Partner nicht nur eine zuverlässige Versorgung bereitzustellen, sondern auch dort mit anfassen, wo der Markt die Probleme nicht löst. Die Stadtwerke Lübben wollen als „Werke im Dienst der Stadt“ die Zukunft der Stadtgemeinschaft mitgestalten.

 

Der digitale öffentliche Raum gehört in die Hände der Gemeinschaft

 

Das letzte Kapitel der Pandemie ist noch nicht geschrieben, aber schon jetzt treffen wir Entscheidungen, welche die Zukunft bestimmen. Einige der Veränderungen werden auch nach der Pandemie ein normaler Bestandteil unseres Lebens bleiben – wie z.B. Homeoffice, Online-Handel oder Videochats. Die Zukunft wird digital sein.  Corona hat uns keine Zeit gelassen, bewährten Arbeitsweisen hinterher zu jammern. Quasi von heute auf morgen stellten Unternehmen um auf eine digitale Arbeitswelt. Vieles davon wird uns weiter begleiten, Neues hinzukommen.

Mit der Plattform „Lübben hat Herz“ wollten die Stadt- und Überlandwerke auch der Lübbener Solidarität eine digitale Heimat gegeben. ‘Lübben hat Herz‘ soll ein Saatkorn sein, damit unsere Lübbener Stadtgemeinschaft auch in ihrer digitalen Version ein solidarischer Ort ist, der auch der Öffentlichkeit gehört – auch über die Coranakrise hinaus. Das positive Echo stimmt optimistisch.

Mattheis: „Bei allem Respekt vor den Social-Media-Riesen: Der öffentliche Raum in Lübben, der jetzt virtuell wird, gehört in die Hände der Gemeinschaft und nicht allein in die Hände globaler Konzerne.“

 

Die Klimakrise bleibt auch nach Corona

 

“Wir wissen erst, wer wir sind, wenn wir vor eine schwere Wahl gestellt wurden”, schrieb die polnische Dichterin und Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska einmal über eine Frau, die direkt in ein brennendes Gebäude rannte, um Kinder zu retten, die nicht ihre eigenen waren. Krisen führen dazu, dass wir vor Entscheidungen gestellt werden – und so erfahren wir, wer wir sind.

Die Klimakrise wird bestehen bleiben, wenn die Corona-Pandemie abgeklungen ist. Die fossile Wirtschaft versucht bereits, den Übergang in eine fossilfreie Wirtschaft mit aller Kraft umzukehren. Nach wie vor werden wir uns wieder allein der Angst vor der Zukunft stellen müssen, müssen uns aber gemeinsam damit befassen. Wie stellen wir – solidarisch – sicher, dass all die Pläne zum Wiederaufbau der Wirtschaft die Umwelt, das Klima und die Menschen schützen?

Dies ist die bedeutendste Parallele zwischen diesen beiden Krisen. Sie sind eine Gelegenheit für kommunale Energieversorger zu zeigen, was Daseinsvorsorge wirklich bedeutet und wozu sie in der Lage sind, wenn es wirklich darauf ankommt.

 

Lübben hat Herz 

(Konzipiert und betreut von Communication Works, programmiert von Jegasoft)