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Vielfalt zählt

Unter Männern

Bei großen wie kleinen Veranstaltungen findet man sie immer wieder: Podiumsdiskussionen, die fast ausschließlich mit Männern besetzt sind. Reichlich unterlegt mit Bildern von geradezu verblüffender Ähnlichkeit. Je nach Absender begleitet von Humor, Wut oder Zynismus.

Der diesjährige Welttag der Frauenrechte war nicht der erste, an dem sich das Thema wie ein roter Faden durch die sozialen Medien zog. Die Organisation EU Panel Watch hat sie gezählt: Unter vier Rednern auf Brüsseler Veranstaltungen findet sich in der Regel nur eine Frau. 21 Prozent aller Debatten werden ausschließlich unter Männern geführt. Am schlechtesten besetzt? Die Branchen Energie, Umwelt und Transport. Der prominenteste Veranstalter? Die Europäische Kommission: Ausgerechnet zum Internationalen Tage der Frauenrechte 2017 brachte Günther Oettinger unter dem Titel „Women@work“ drei Männer und nur eine Frau auf auf die Bühne. Unzählige andere öffentliche wie private Organisationen tappen regelmäßig in die gleiche Falle.

Aber wieso ist es überhaupt eine Falle? Welche Botschaften senden eigentlich Veranstalter aus, wenn sie nur männliche Gäste auf die Bühne laden?

 

1. Wir kennen nur eine Perspektive

Wer eine Diskussion nur mit männlichen Rednern besetzt, gibt unweigerlich zu verstehen: die weibliche Perspektive ist uns egal, wir halten es nicht für nötig, Frauen eine Stimme zu geben. Anders ausgedrückt: Wir halten nichts von Gleichberechtigung. Was vor 20 Jahren vielleicht noch damit zu rechtfertigen war, dass Führungspositionen zumeist Männern mit weißer Hautfarbe vorbehalten waren, ist heute ein absolutes No go. Oder möchte tatsächlich noch jemand behaupten, es seien keine Frauen mit der nötigen Kompetenz zu finden?

 

2. Wir suchen keine jungen Talente.

Reine Männerrunden vergällen längst nicht mehr nur die Frauen im Publikum und damit die Hälfte des Talentpools. Wer sie dennoch veranstaltet, gibt deutlich zu verstehen, dass seine Branche oder Unternehmenskultur noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Nicht umsonst werfen inzwischen auch zahlreiche Männer, wie z.B. Owen Barder, der Europadirektor des Center for Global Development, mit Kampagnen gegen das Stereotyp ihr Gewicht in die Waagschale. Projekte wie „Stemette“, die gezielt junge weibliche Talente in den Natur- und Ingenieurswissenschaften fördern, werden nicht zuletzt deswegen von Männern der High-Tech-Branche unterstützt, weil Diversität und Kreativität eng miteinander verknüpft sind.

 

3. Wir sind auf weibliche Zustimmung nicht angewiesen.

Um es kurz zu machen: Wer so denkt, irrt. Frauen bestimmen das öffentliche Meinungsbild als Bürgerinnen und Politikerinnen ebenso wie Männer. Schade nur, wenn es dann letztlich eine Frau ist, die als Bürgermeisterin, Ministerin, Abgeordnete über Anliegen zu entscheiden hat, die für Ihren Unternehmenserfolg wichtig sind. Vielleicht hätte sie in der Debatte einen interessanten Aspekt hervorgehoben oder eine entscheidende Frage gestellt. Jetzt fehlt ihr vielleicht genau diese eine Antwort, die es ihr ermöglicht hätte, die Sichtweise Ihrer Organisation nachzuvollziehen.

Können denn nicht auch reine Männerrunden spannend für ein weibliches Publikum sein? Wenn nicht gerade absolute Berühmtheiten auf der Bühne stehen, eindeutig nein. Und selbst dann sorgt eine gute Mischung in der Regel für spannendere Debatten.

Vielfalt – bunte Socken reichen nicht aus / Foto: Pixabay

Wer nicht in die Falle tappen will, sollte (mindestens) drei Ratschläge beherzigen:

1. Wenn Sie selbst für die Organisation einer Konferenz verantwortlich sind: Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen bei der Auswahl von Redebeiträgen. Ihnen fällt keine Fachfrau ein? Wirklich nicht? Strengen Sie sich an! Und/oder konsultieren Sie eine der inzwischen vielfältigen Datenbanken. Eine kleine Übersicht finden Sie unten. Und die Growfunding-Kampagne „Brussels Binder“ freut sich über Unterstützung.

2. Sie sind als Redner eingeladen? Weisen Sie den Veranstalter darauf hin, dass Sie nur teilnehmen werden, wenn Sie sich nicht ausschließlich in Männergesellschaft wiederfinden. Die UN Organisation „Global Compact“ hat sich dazu bereits verpflichtet. National wie international gibt es zahlreiche Initiativen, die auch Ihnen die Möglichkeit zur Selbstverpflichtung geben. Setzen Sie ein Zeichen.

3. Wenn Sie an der Teilnahme an einer Konferenz interessiert sind, schauen Sie sich das Programm vorher an. Reine Männerdiskussionen? Entscheiden Sie sich gegen Langeweile und gehen Sie nicht hin. Studien belegen übrigens, dass homogene Gruppen eher dazu neigen, falsche Entscheidungen zu treffen. Es geht also nicht um die nette Geste. Es lohnt sich wirklich nicht.

Wer diese Ratschläge nicht beachtet, hat gute Chancen, sein Foto auf einer Website zu sehen wie allmalepanels.tumblr.com. „Congrats! You have an all-male panel – herzlichen Glückwunsch, Sie haben ein Panel nur mit Männern“ wird man dort begrüßt, und bekommt ein „David-Hasselhoff-Siegel“ verliehen. Er ist das Gesicht der Kampagne und hält Ihnen den Daumen hoch entgegen gestreckt.

Ok, Sie fanden Baywatch damals cool. Ihre Tochter wird es im besten Fall peinlich finden.

 

Text: Sabine Froning

Monitoring-Bericht
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